Sonderausstellung "Jagd, Wald und Glas"

<h3>Aschenbrenner, R. Kummer</h3>
Aschenbrenner, R. Kummer
<h3>Glas-Wald-und Glas, Exponatauswahl</h3>
Glas-Wald-und Glas, Exponatauswahl

Das Museum Baruther Glashütte zeigt vom 18.3. – 24.6.2018
die Sonderausstellung „Jagd und Wald – Gläser spiegeln Kultur und Technik“.

Ausgewählte Exponate hat das Museum Baruther Glashütte auf der Website
Museum-Digital veröffentlicht.

In Glashütte war vor 300 Jahren der Gründungsanlass ein starker Sturm, der massenhaft Windbruchholz hinterließ und den Holzpreis drückte [ähnlich auch Glashütte Chorin u.v.m.]. Graf Friedrich Sigismund zu Solms Baruth ließ daraufhin unter der Leitung des Glasmeisters Bernsdorff die Baruther Glashütte gründen – mitten im Wald auf einer gerodeten Lichtung von zunächst 600 x 200 Schritt. Diese Fläche sollte auf 20 Hektar wachsen: Ohne Holz für die Feuerung der Öfen, die Herstellung des unverzichtbaren Zuschlagstoffes Pottasche und auch Holz-Formen und andere Werkzeuge hätte eine Glashütte vor dem Maschinenzeitalter nicht betrieben werden können.

Holzknappheit in England seit dem 17. Jahrhundert und auf dem Kontinent seit dem 18. Jahrhundert führte zu landesherrlichen Verordnungen, die die Feuerung mit Holz verboten. In Baruth wurde dennoch bis etwa 1860 mit Holz gefeuert, abgesehen von einigen Versuchen mit der Verwendung von Torf für die Ofenfeuerung. Die Einführung von Kohle als Brennstoff stieß auf Widerstand, weil die Glasqualität unter den Abgasen und dem Ascheflug der Kohleverbrennung stärker litt als bei der Holzfeuerung. Gedeckte Häfen (Schmelzgefäße) reagieren auf diese Probleme, welche eigentlich erst durch die indirekte Gasfeuerung nach Friedrich Siemens gelöst wurden. Rauchgraue Gläser der Übergangszeit sind Ausweis dieser technischen Herausforderung.

Die Pottascheherstellung bedingte in der Frühen Neuzeit mehr als die Hälfte des Holzverbrauchs, weshalb Surrogate wie künstliche Soda, die seit 1850 technologisch ausgereift hergestellt werden konnte, das „hölzerne Zeitalter“ der Glashütten beendete. Glashütten waren auch wegen ihrer peripheren isolierten Standorte bis zur Verkehrsindustrialisierung durch die Eisenbahn recht eigentlich „Waldglas-Hütten“. Sie bezogen vor Ort Brennstoff und Rohstoff und stellten so genanntes grünes Waldglas her, das seine Farbe der Verunreinigung von Waldasche mit Eisenoxid bzw. der Eisenhaltigkeit des örtlichen Sandes verdankte.

Das Leben und Arbeiten der Glashüttner im Wald prägte ihr Milieu, das sehr autark war und sich sozial gegenüber der städtischen und bäuerlichen Bevölkerung wenig offen zeigte. Blickt man auf die Patenschaften der Glasmacherkinder, so sind die „Gevatter“ in der Regel entweder selbst „Glashüttner“ oder Förster und Jäger. Forstwirtschaft und Glasherstellung bedingten sich technologisch und verschränkten sich auch ein Stück weit sozial.

Gläser mit Jagd- und Waldmotiven sind Ausdruck dieser Abhängigkeit und kulturellen Verbindung. Adlige Gründer der Glashütten waren vor der Zunahme bürgerlichen Konsums die wichtigsten Abnehmer von Luxusgläser, die gerne mit waidlichen Dekoren versehen sein sollten. Waren doch die Standes- und Grundherren selbst passionierte Jäger.

Im Historismus wurde historisches „Waldglas“ nostalgisch nachgeahmt und auch gegenwärtig erfreuen sich „Landhausgläser“ mit einem grünen Farbstich größerer Beliebtheit. Ebenso widmen sich Künstler und Designerinnen der Beziehungsgeschichte von Holz und Glas, indem sie die Materialien bewusst kombinieren und die Verwendung von Holz im Herstellungsprozess auch beim fertigen Objekt sichtbar halten. Die Glashütter Sonderausstellung „Jagd, Wald und Glas“ vermittelt mit ausgewählten Waldgläsern, Schnittgläsern mit waidlichen Motiven, Sondergläsern, historischen Text- und Bildquellen sowie Werkzeugen eine spannende Beziehungsgeschichte, welche unserem Zeitalter regenerativer Energie mit seinem Anspruch auf Nachhaltigkeit einen historischen Spiegel vorhält.

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