Reinhold Burger und Kollegen. Glasinstrumentmacher als Pioniere des Fortschritts

Ausstellungsdauer: 11.8.2019 – Ende März 2020.

Ausstellungsort: Hüttenbahnhof im Museumsdorf Baruther Glashütte.

Glas ist ein fortschrittliches Material. Seine offene physikalische Struktur macht Glas chemisch recht leicht dotierbar und lässt sich so auf viele Anwendungen „maßschneidern“. Aber nicht nur die Materialqualität, sondern auch die Entwicklung der Herstellungstechniken hat die Anwendungsmöglichkeiten verändert und erweitert. Hier ist vor allem die Entwicklung eines eigenständigen Berufes, dem der Glasbläser bzw. Glasinstrumentenmacher zu nennen. Dieser entwickelte sich im 18. Jahrhundert aus dem der Glasmacher. Glasbläser wurden im 19. Jahrhundert zu Trägern des Fortschrittes in der Zweiten Industriellen Revolution. Sie waren Grenzgänger zwischen Handwerk und Wissenschaft und meldeten selbst Patente an. Viele Erfindungen in Physik, Medizin, Chemie und Elektrotechnik wären ohne die Apparate der Glasinstrumentenmacher nicht möglich gewesen.

Thematischer Anker und Akten- wie Objekt bezogener Fokus der Ausstellung bilden Leben und Werk  Reinhold Burgers, 1866- 1954. Burger ist der Erfinder der Thermosflasche und Wegbereiter der seriellen Fertigung von Röntgenröhren. Dem gebürtigen Glashütter soll diese Sonderausstellung mit einem Begleitkatalog gewidmet sein. Burgers Leben und Leistung sollen aber durch den Vergleich mit allgemeinen wissenschaftlichen Entwicklungen und der Rolle anderer Glasinstrumentenmacher auf eine breitere Basis gestellt werden.

Burgers Biografie belegt anschaulich die Verbindung des älteren Berufs der Glasmacher mit dem spezialisierten Beruf des Wissenschaftsglasbläsers. Burger entstammt einer Glasmacher- und Glasschneiderfamilie und machte über kurze Stationen einer Glasmacherausbildung (Einträger in Glashütte, Mitarbeiter in der Glashütte des Großvaters in Burigk) eine Lehre zum Glasinstrumentenmacher bei der Firma Geißler und Co. in Berlin.

Burgers Ausbildung folgten Stationen beim Siemens-Glühkolbenwerk und in den USA, wo er sich als selbständiger Glasbläser niederlassen wollte. Zurück gekehrt nach Deutschland, gründet er in der Chausseestraße seine Firma für Glasinstrumentenbau, Burger & Co.

Burger gehörte zu den Pionieren im Bau von Röntgenröhren und meldete sein erstes Patent auf eine technisch verbesserte Röntgenröhre an. Röntgenröhren, Dewargefäße, Glasapparate aller Art vertrieb er vor dem Ersten Weltkrieg an Kunden weltweit und war sehr erfolgreich.

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