Meditative Miniaturmalerei – Tradition und Moderne

Meditative Miniaturmalerei – Tradition und Moderne

Meditative Miniaturmalerei – Tradition und Moderne

Die kleinformatigen Thanka- oder Götterbilder verweisen auf buddhistische Glaubensformen in der Mongolei. Die lamaistisch-buddhistische Religion hat für die Mongolen eine große Bedeutung. Sie verbreitete sich in der Mongolei aufgrund der kulturellen Kontakte des expandierenden Vielvölkerstaates nach Indien und Tibet. Naturreligiöse Glaubens- formen blieben auch in einer theokratischen Monarchie, die bis 1924 andauerte, lebendig. In den 1930er Jahren wurden in der Volksrepublik die Lamaisten und ihr aufgeblähtes Klosterwesen blutig bekämpft. Erst nach der Ausrufung der demokratischen Republik im Jahr 1992  konnte Religionsfreiheit wieder gelebt werden.

Der Prozess der Miniaturmalerei ist Teil des Kunstwerkes und seiner spirituellen Funktion. Auch OTGO tauchte bei der Anfertigung dieser Bilder in eine eigene Glaubenswelt ein, von der er sich später schöpferisch emanzipierte. Die Götterbilder werden in mehreren Arbeitsschritten unterschiedlicher Schwierigkeit hergestellt. Im letzten Schritt zeichnet der Meister auf die mit Leim  bestrichene Baumwollleinwand das Gesicht der Gottheit und „öffnet ihm die Augen“. OTGO verwendete für die Grundierung eine Mischung aus schwarzem Ruß, Kreide und Wodka oder Milchschnaps, der Pigmente aus Mineralien oder Pflanzen zugesetzt sind. Abschließend mit Leim aus Yakhaut gebunden, vermitteln die kleinen Kunstwerke einen archaischen und geheimnisvollen Charakter.  

Die Kamasutra-Miniatur im Kubus zeigt besonders deutlich, mit welcher Konzentration OTGO als ehemaliger Miniaturmaler vorgeht und wie er dieses Können für die großformatigen Acrylbilder produktiv machte. Die Darstellung des sinnlichen Verlangens (Kama) und seiner Befriedigung als Kraft der Evolution stellt der Künstler mit handgefertigten Werkzeugen dar. Lupen durften nicht zur Hilfe genommen werden.

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