Presseinfo:

Die manuelle Glasfertigung ist Immaterielles Kulturerbe

Das Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission hat die „manuelle Glasfertigung“ als Immaterielles Kulturerbe auf nationaler Ebene bewertet. Ein unabhängiges Expertenkomitee folgte der Argumentation der Bewerber, das implizite Wissen der händischen Glasherstellung durch Praxis, Vernetzung, Dokumentation und Weiterentwicklung für die Zukunft zu bewahren. Die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis ist für die gesamte Glas-Community in Deutschland eine große Anerkennung.

Die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis ist der Glashütte Lamberts in Waldsassen, dem Glasstudio und Museum Baruther Glashütte und dem LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim ein Ansporn, die handwerkliche Glaskultur zu pflegen und weiter zu entwickeln. Die Glaspraktiker und HistorikerInnen aus Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen hatten sich zu einer gemeinschaftlichen länderübergreifenden Bewerbung zusammengeschlossen, um die kulturelle Ausdrucksform der Glasfertigung mit Pfeife und anderen Werkzeugen vor dem Verlust zu bewahren. Manuelle Glasfertigung schließt sich somit gemeinsam mit sechs weiteren Kulturformen an bereits anerkannte 27 Traditionen und Wissensformen an. Durch die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis rückt die Bedeutung des lebendigen Kulturerbes insgesamt und der einzelnen kulturellen Ausdrucksformen stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Der Verbund der Glashütte und Studios sieht in der Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe die Basis für neue Ideen und Weiterentwicklungen in unserer post-industriellen Gesellschaft.

Als Hüter von immateriellen Schätzen wollen nicht nur die drei Bewerber sichtbar und bewusst machen, welchen Nutzen die durch bedrohte Glasmacherfähigkeiten geschaffene gegenständliche Überlieferung für die Gemeinschaft und jede Einzelperson hat. Mit der Anerkennung ist keine finanzielle oder sonstige Unterstützung verbunden.

Die aktive Überlieferung der an geronnenes Glasmacherwissen gebundenen händischen Fertigung kann nun besser betrieben werden. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformationen hatten in der Nachkriegszeit durch Schließung von Fabriken und Automatisierung große Wissensverluste bewirkt. Nun ist es möglich, an vielen Standorten – Manufakturen wie Museen oder Studios - die Lebensfähigkeit der lebendigen Glastradition unter Beweis zu stellen, „d.h. die Voraussetzungen für ihre fortwährende Neuerschaffung und Weitergabe zu gewährleisten.“

Katrin Holthaus, Georg Goes und Hans Reiner Meindl betonen in ihrer Bewerbung die arbeitsteilige Fertigungsweise der manuellem Hohl- und Flachglasherstellung am Schmelzofen, die seit mehr als 2000 Jahren mit der Glasmacherpfeife und anderen Werkzeugen aus Metall und Holz betrieben wird. Das Serielle und das individuell Eigensinnige haben sich in dieser kulturellen Praxis immer beeinflusst. Die Glasspezialisten verweisen darauf, dass die anstrengende manuelle hüttentechnische Glasherstellung eine jahrelange Routine erfordert und ein qualitativ hochwertiges Arbeiten nur in einem exakt aufeinander abgestimmten Team, ähnlich den TänzerInnen auf der Bühne sowie in einem intensiven Erfahrungsaustausch gelingen kann. Glasmachergemeinden verfügten traditionell über ein enges internationales Netzwerk. Ihre Identität basiere auf hohen Qualitätsansprüchen in arbeitsteiligen Herstellungsprozessen, deren Schritte qualitativ und quantitativ voneinander abhängig waren.

Das Erbe wirkt fort, indem Produkte der noch aktiven Manufakturen Trägermaterial künstlerischer, designorientierter und architektonischer Gestaltungen sind. In Kooperationen zwischen Hochschulen, Fachschulen und Mundblashütten werden in Museen mit aktiver Glashütte neue Gestaltungsmöglichkeiten für Gebrauchsglas in Kleinserien und Prototypen erprobt, um die Massenproduktion ästhetisch zu beeinflussen. Maßnahmen zur Erhaltung und Bewahrung des Erbes sieht das Glastrio in der Sicherung der bestehenden vorbildlichen Ausbildung zum Glasmacher. Internationale Referenten mögen im Rahmen von Vorträgen und Symposien die Einsatzmöglichkeiten des Materials in Architektur und Design aufzeigen. Auch erachten die Bewerber die Einrichtung eines Studienganges „Glasgestaltung“  mit umfassenderem Praxisanteil für wünschenswert. Dabei sollte das Erlernen des Handwerks die Basis der gestalterischen Ausbildung liefern.  Aktuell bestehen bereits zahlreiche Kooperationen zwischen Designern und Glasmachern bzw. Hochschulen und Glashütten, um innovative Anwendungen und Produkte zu entwickeln. Weiterhin hält man es zur Erhaltung des Handwerks für erforderlich, die Kenntnis und das Bewusstsein der hohen Qualität sowie der künstlerischen wie technischen Möglichkeiten mundgeblasenen Flach- und Hohlglases zu erzeugen. Gezielte Maßnahmen hierzu sollen sein Seminarangebote, Organisation von Symposien, Einbindung von Medien und Informationsveranstaltungen für Fachpublikum und Kunden. Nicht nur an den musealen Standort will man die Glaskultur auch wissenschaftlich durchringen.

Baruth, Gernheim und Waldsassen gratulieren allen Glaskünstlern und Glasmacherinnen zu diesem Erfolg für unseren zerbrechlichen zauberhaften Werkstoff.

 

Weitere Informationen unter:
www.unesco.de/kultur/immaterielles-kulturerbe/bundesweites-verzeichnis/p/4.html 

 

Kontakte:

Museum und Glasstudio Baruther Glashütte
Museumsleiter Dr. Georg Goes
Hüttenweg 20, 15837 Baruth-Glashütte
Tel. 033704/980912
info@remove-this.museumsdorf-glashuette.de
www.museumsdorf-glashuette.de

LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim
Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus
Gernheim 12, 32469 Petershagen
Tel.: 05707-9311-21
katrin.holthaus@remove-this.lwl.org

www.lwl.org
 

Glashütte Lamberts Waldsassen GmbH
Geschäftsführer Hans Reiner Meindl
Schützenstraße 1, 95652 Waldsassen
Tel.: 09632-9251-0
meindl@remove-this.lamberts.de
www.lamberts.de 

 

 

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